
Reisen in frühere Inkarnationen - macht das Sinn?
(Beitrag März 2007)
Für viele Menschen wird schon die obige Frage keinen Sinn ergeben, weil sie gar nicht glauben, dass es so etwas wie Reinkarnation - d.h. Wiedergeburt - überhaupt gibt. In unserer Kultur sind sie sehr wahrscheinlich in der überwältigenden Überzahl. Unsere Arbeit und Studien haben uns jedoch ein ganz anderes Bild vermittelt: Das, was wir Menschen in Wirklichkeit sind, ist nicht vergänglich. Den Tod, so wie er meist verstanden wird, gibt es nicht. Wenn ein Mensch sein irdisches Leben beendet - was er auf der überbewussten, seelischen Ebene für sich entscheidet - trennt sich das, was er in Wahrheit ist, von seinem Körper. Wir sind nicht unser Körper, sondern wir besitzen und benutzen ihn. Wenn wir uns seelisch entscheiden, dass wir dieses konkrete Dasein nicht mehr weiterführen wollen, weil alles, was wir uns zu erleben und zu erfahren vorgenommen haben, erlebt und erfahren worden ist, dann geben wir diesen Körper auf. Diesen Vorgang nennen wir Menschen Tod und er lässt diejenigen, die zurückbleiben, oft in großer Wut und Trauer zurück. Für die Seele aber, die die Beengungen des Im-Fleisch-Seins (Inkarnation) hinter sich gelassen hat, ist es ein freudvolles Ereignis.
Notwendiges Vergessen
Unsere seelische Essenz nun geht im Tod in eine andere Ebene der Wirklichkeit hinein. Dort lädt sie sich wieder auf, erneuert ihr Verständnis von dem, was sie wirklich ist und erhält auch all das Wissen bewusst zurück, dass sie - als notwendiger Teil des Lebensspiels - beim Hineingeboren-werden in der Welt, die wir kennen, zurückgelassen hat. Wir alle sind hier, um Erfahrungen zu machen. Wir wollen uns in der physischen Welt erleben. Dies könnten wir nicht, wenn wir einen Überblick über alles hätten - die Froschperspektive ist nötig. Deshalb wissen wir auch nichts von all den Erfahrungen, die wir in anderen Leben bereits angesammelt haben. Wir sagen bewusst andere Leben, denn die Bezeichnung frühere Leben ist im Grunde nicht richtig, weil es die Zeit als linerare Erscheinung in Wirklichkeit hinter unserer Realität nicht gibt. Alles geschieht gleichzeitig. Das Erlebnis unserer Zeit als unveränderliche Abfolge von Einzelereignissen ist jedoch auch Bestandteil unserer irdischen Grunderfahrung.
Wenn das alles so ist, warum sollten wir überhaupt schamanisch in anderen Inkarnationen von uns rumschnüffeln? Die Antwort ist einfach: Um Umstände, die wir jetzt erleben, besser zu verstehen. Das kann man am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen:
Beispiel einer Reise in ein anderes Leben
Eine Klientin will wissen, warum ihr Mann ihr gegenüber so ängstlich ist. Insbesondere zeigt er seine Beschützerhaltung, wenn es darum geht, sie vor zu viel Arbeit und körperlicher wie seelischer Anspannung zu bewahren. Durch die schamanische Reise erfahren wir, dass sie bereits beide eine andere Inkarnation mit einander erlebt haben, auch als Ehepaar. Sie waren glücklich und er hat sie - wie heute - sehr geliebt. Die Klientin allerdings mutete sich "damals" dauerhaft zuviel zu, weil sie nur schwer "nein" sagen konnte. Schließlich stirbt sie früh an Auszehrung und Überforderung - auf der körperlichen Ebene zeigt sich das als tödliche Lungenentzündung. Der Mann leidet nach ihrem Tod sehr und speichert diese Erfahrung so tief, dass in die jetzige Inkarnation herüberreicht. Nachdem sie all dies weiß, zeigt sich die Klientin erleichtert, weil sie endlich die Verhaltensweise ihres Mannes verstehen kann. Sie sprechen gemeinsam darüber, wodurch er sich seiner Ängste ihr gegenüber bewusst werden kann. Sie verspricht, bewusst auf sich zu achten. Er will sich bemühen, ihr gegenüber gelassener zu werden. Auf diese Weise können sie jetzt anders mit sich und dem anderem umgehen und so eine neue Erfahrung etablieren.
© ToPAS München 2007
zum Seitenanfang oder zur Homepage