| ToPAS: |
Hallo. Vielen Dank, dass Du uns die Gelegenheit zu diesem Interview gibst.
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| Schildkröte: |
Gern geschehen. Wollt Ihr mir jetzt Eure Fragen stellen? |
| ToPAS: |
Ja. Verrate uns doch als erstes einmal, wofür Du als Krafttier stehst! |
| Schildkröte: |
Ich stehe für Gelassenheit und die Einsicht, dass alles seine Zeit hat. |
| ToPAS: |
Aha. Und darüberhinaus? |
| Schildkröte: |
Auch für Veränderungen - und zwar solche, die sich über einen eher langen Zeitraum erstrecken. Seht: Viele halten mich für ein ziemlich starres, ja fast totes Tier, weil mein Panzer so fest und unbeweglich erscheint. Aber auch ich verändere mich ständig - wenn auch sehr langsam. Das geht über einen langen Zeitraum. |
| ToPAS: |
Hat das auch etwas mit Geduld zu tun? |
| Schildkröte: |
So ist es. Alles hat seine Zeit. Das können die Menschen, zu denen ich komme, von mir lernen. Die Dinge brauchen ihre Zeit und sie haben ihre Zeit. Es kommt also nicht immer auf die Schnelligkeit an, sondern dass man in seinem eigenen Tempo ankommt. |
| ToPAS: |
Langsamkeit ist gut? |
| Schildkröte: |
Ja. Langsamkeit verlängert das Leben, Schnelligkeit verkürzt es eher. Deshalb werde ich auch sehr alt. |
| ToPAS: |
Wann kommst du also genau zu einem Menschen? |
| Schildkröte: |
Wenn er sein Leben entschleunigen soll. Wenn er Geduld üben soll, weil er den Dingen nicht ihre Zeit lässt. Gelassenheit und Geduld, darum geht es dann. |
| ToPAS: |
Gibt es sonst noch ein Thema, für das Du stehst? |
| Schildkröte: |
Weisheit. Deshalb kann ich den Menschen, zu denen ich als Krafttier komme, auch helfen, Einsicht in Lebenszusammenhänge zu erhalten - denn ich nehme mir die Zeit, diese Erkenntnisse zu entdecken, sie aufzunehmen und sie wirklich zu verstehen. |
| ToPAS: |
Noch etwas? |
| Schildkröte: |
Schutz des eigenen selbst. Ich wirke ja auch sehr unverletzlich, wenn ich mich in meinen Panzer zurückziehe. Allerdings muss ich eben auch aufmerksam sein, um zu erkennen, wann es an der Zeit ist, meine verletztlichen Teile zu schützen. Wenn ich meinen Kopf nicht rechtzeitig in Sicherheit bringe, dann ist das unter Umständen sehr schlecht für mich. |
| ToPAS: |
Auch hier geht es also wieder um den richtigen Zeitpunkt? |
| Schildkröte: |
Genau. Sich angemessen zurückzuziehen und einmal nicht sichtbar zu sein, dass kann von Vorteil sein. Ihr Menschen neigt dazu, die Ersten, die Besten und die Schnellsten sein zu wollen. Dazu müsst ihr immer vorpreschen, Euch zeigen und auf die anderen schauen. Das mache ich nicht. Ich gehe in meinem Tempo, kann mich völlig in mich zurückziehen und mich gut tarnen. |
| ToPAS: |
Worauf möchtest Du uns noch hinweisen? |
| Schildkröte: |
Nun, im Grunde geht es darum, nicht das eigene Gleichgewicht zu verlieren. Das ist die einzige Situation, in der ich wirklich hilflos bin - wenn ich nicht achtgebe und es dadurch zulasse, dass mich äußere Faktoren aus dem Gleichgewicht bringen und ich auf dem Rücken liege. Das ist lebensbedrohlich für mich und deshalb achte ich streng darauf, dass das nicht geschieht. So solltet ihr Menschen es auch halten, denn wenn man aus seiner Mitte gerät, dann ist das nicht gut - für niemanden. Langsamkeit z.B. hilft, weil man so nicht sonderlich anfällig ist. Man hat Zeit zum Reagieren, zum Einschätzen der Lage. Auch Geduld hilft, im eigenen Zentrum zu bleiben. Geht also - wie ich - langsam, gelassen und geduldig euren Weg, dann kann es euch nur schwer passieren, dass ihr in eine Situation kompletter Hilflosigkeit geratet. Je schneller ihr euch bewegt, desto anfälliger werdet ihr, wenn Euch jemand schubst. |
| ToPAS: |
Kümmerst Du Dich denn überhaupt nicht um die anderen? |
| Schildkröte: |
Wisst ihr: es verachtet mich keiner, weil ich so langsam bin. Und es ist trotzdem alles für mich da. Übrigens kommen auch viele gesundheitliche Probleme der Menschen von dem schnellen Lebenstempo, dass die meisten von euch sich gewählt haben. Wenn man die Langsamkeit für sich entdeckt und nichts erzwingen will, dann kann man uralt werden. |
| ToPAS: |
Viele von uns glauben, wenn es langsam geht, dann führt das zur Langeweile. Wie siehst du das? |
| Schildkröte: |
Das Gegenteil ist richtig. Wenn man ein schnelles Leben führt, dann will man immer mehr und mehr - auch weil man stets so schnell an seinem Ziel ist. Das brauche ich nicht, denn ich habe viel Zeit und nehme sie mir auch. Auf diese Weise verstehe ich, dass nicht nur das Ziel und das Ankommen schön und erstrebenswert sind, sondern auch der Weg, der dorthin führt. Versteht ihr? |
| ToPAS: |
Wir glauben schon. Kannst du uns noch mal zusammenfassend sagen, in welchen Situationen die Menschen meistens sind, zu denen du als Krafttier kommst? |
| Schildkröte: |
Ja, gern. Ich komme zu jenen, die Geduld, Gelassenheit und Langsamkeit brauchen. Ich bin also bei jenen, die den Dingen und sich nicht die nötige Zeit geben. Die zu schnell sind und deshalb Entschleunigung brauchen. Ich komme zu denen, die lernen sollen, den Dingen und sich selbst ihren Lauf zu lassen. |
| ToPAS: |
Wir danken Dir herzlich für dieses Gespräch. |
| Schildkröte: |
Gern geschehen. |