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Sind alle Widder gleich?

(Beitrag im März 2007)

Selbst Menschen, die Astrologie nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden, kennen zumindest ihr Sternzeichen. Sie "sind" dann Fisch, Krebs, Stier oder Widder. Das ist Solarastrologie, denn das Sternzeichen meint nichts anderes als das Tierkreiszeichen, in dem die Sonne zum Zeitpunkt der Geburt stand. Interessiert sich einer dafür, was das denn heißt, wenn man Wassermann oder Zwilling "ist", kann er das in unzähligen Büchern nachlesen. Ihre Zahl ist Legion. Titel wie "Sag mir dein Sternzeichen und ich sage dir, wie du liebst..." oder "Kochrezepte für den Schützen" findet man an jeder Bücherecke. Im besten Falle sind sie wenigstens unterhaltsam, im schlechtesten schlicht überflüssig.

Was sagt jetzt aber die Geburtsstellung der Sonne - sein "Sternzeichen" - tatsächlich aus über einen Menschen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns erst klarmachen, dass die Sonne nur EIN Faktor von sehr vielen im Geburtsbild eines Menschen ist.

Abbildung: Geburtshoroskop von Pablo Neruda

Schauen wir auf das Beispielhoroskop von Neruda. Der kleine Kreis mit Punkt in der Mitte, rechts oben, symbolisiert die Geburtssonne. Sie steht im Krebs, an der Grenze zwischen Haus 8 und 9. Wir erkennen gleich: Sie ist nur einer von vielen Faktoren in diesem Horoskop. Es tummeln sich zahlreiche andere Symbole in diesem Kreisbild. Außerdem gibt es noch jede Menge Linien, die alle zwei Horoskoppunkte miteinander verbinden. Das sind die Aspekte, die eine Ebene der Vernetzung im Horoskop darstellen. Links sehen sie eine Linie, die etwas über den Rand des Kreises hinausragt. Das Zeichen, das von dieser waagerechten Linie angeschnitten wird - in diesem Fall Schütze - ist der Aszendent. Er ist ebenfalls ein wesentlicher Horoskopfaktor, der seine Bedeutung in das Gesamtbild hineinträgt. So könnten wir noch längere Zeit weitermachen, denn ein Geburtshoroskop ist eine vertrackt komplizierte Angelegenheit. Will man lernen, es zu durchschauen, braucht es viel Liebe, Hingabe und auch eine Portion Talent. Das hat die Astrologie mit anderen Wissensgebieten gemein.

Kann man überhaupt "Schütze" sein?

Aber zurück zum Thema: Wie kann dann jemand überhaupt "Schütze sein"? Oder Skorpion? Oder Steinbock? Diese Formulierung deutet an, dass wir einen Menschen mit EINEM astrologischen Thema identifizieren könnten. Tatsächlich geht das nicht. Wir alle tragen alle alles in uns. Genau so stellt es sich auf der genetischen Ebene dar. Alle Menschen, ja sogar alle Lebensformen auf diesem Planeten sind genetisch aus den gleichen fundamentalen Elementen zusammengesetzt: 4 Basen, chemische Einheiten, die sich in festen Paaren verbunden wieder zu Dreier-Einheiten zusammenfinden, die sich wiederum zu noch größeren Einheiten zusammentun, usw. Die Komplexität des Lebendigen wird nicht durch eine unendliche Vielzahl von genetischen Einheiten dargestellt, sondern durch die Kombination von wenigen Grundbausteinen. So ist es auch in der Astrologie. Wir tragen alle das Gesamtbild in uns. Das Individuell-Wesenhafte ergibt sich aus der jeweils einzigartigen Kombination dieser Elemente. Die Mischung macht den einzelnen Menschen.

Vor diesem Hintergrund können wir die Eingangsfrage bereits sinnvoll beantworten: Nein, natürlich sind nicht alle Widder gleich, weil es "den Widder" gar nicht gibt. Menschen sind seelisch und astrologisch komplexe Gebilde und niemals mit nur einem Faktor zu beschreiben oder zu identifizieren. Natürlich kann bei einem Menschen ein Thema besonders betont sein. Das bedeutet aber nicht, dass dieser Mensch nur diese Betonung wäre, sonder nur, dass hier ein Schwerpunkt seiner Veranlagung liegt - astrologisch wie seelisch.Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt: Die zwölf astrologischen Themen sind zwar hinsichtlich ihres wesenhaften Grundcharakters eindeutig, aber in ihren möglichen, konkreten Ausformungen sehr vielgestaltig. Mit anderen Worten: Wie zwei verschiedene Menschen ihre beiden Widder-Sonnen leben, kann SEHR unterschiedlich ausfallen. Um nur einige mit-bestimmende Faktoren zu nennen: kultureller Hintergrund, soziale Schicht, Geschlecht, Entwicklung des Bewusstseins, Erfahrungabsicht der Seelen, u.v.m.

© ToPAS München 2007

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