
Reihe: Themen der Astrologie
Folge 7: Venus, Waage, Haus 7
Die Astrologie und ihr Denken wird von zwölf grundsätzlichen Themen bestimmt, die wir in dieser Beitragsreihe vorstellen wollen. Jedes Thema zeigt sich im Horoskop eines Menschen auf drei Ebenen: Planet, Tierkreiszeichen und Häuserkreis. Der Planet repräsentiert das Thema energetisch, das Tierkreiszeichen zeigt die zu entwickelnde Fähigkeit und die Häuserebene gibt Hinweise, wie das Thema beim Horoskopseigner eingefärbt ist. Innerhalb dieser Reihe werden wir jedoch das Hauptaugenmerk darauf richten, worum es beim jeweiligen Thema grundsätzlich geht.
Mit der Waage beginnt der dritte Quadrant, der zwei grundsätzliche Bedeutungsebenen in sich vereint: Begegnung und eigene mentale Inhalte. Mit den Themen eins bis sechs hat der Mensch sein ICH ausgebildet und ist jetzt bereit, dem DU zu begegnen. In der Waage beginnt somit die Integration in die Gemeinschaft. Der dritte Abschnitt des Tierkreises stellt den ersten Teil innerhalb dieses Sozialisationsprozesses dar: Der Mensch trifft auf seinen Mitmensch und findet durch die Auseinandersetzung mit dem Anderen seine eigene mentale Identität. Ist der Umgang mit dem einzelnen Du erlernt, sind wir reif, auf das kollektive Du, d.h. die Gesellschaft zu treffen. Dies wird das Oberthema des vierten Quadranten sein.
Durch das Erreichen des siebten Hauses wird die erste Achse im Kreis komplett: Widder und Waage. Dieses Thema der Vervollständigung durch ein Gegenüber findet sich daher nicht zufällig in diesem neuen Zeichen. Wir begegnen anderen und spiegeln uns in ihnen. Wir werden durch sie ergänzt und im besten Falle vervollständigt. Begegnung und Partnerschaft sind daher wesentliche Instrumente, um uns selbst mental verstehen zu lernen, denn in der Reaktion des anderen bin ich enthalten und umgekehrt. Ohne den Mitmensch, der auf uns reagiert und so Informationen für uns bereithält, könnten wir nicht erfahren, wer wir sind. In diesem Sinne vervollständigt uns jede bewusst erlebte Begegnung, weil sie uns in unserem Prozess der Selbsterkenntnis einen Schritt weiterbringt.
Ein Mythos erzählt, dass die Menschen einst Kugeln waren, d.h. vollständig und ganz. Eines Tages wurden sie jedoch alle in der Mitte durchgeschnitten und die zusammengehörigen Hälften jeder Kugel verloren sich im Weltenrund. Seitdem ist jeder von uns nur ein halber Mensch, der Zeit seines Lebens die verlorene Hälfte sucht, um erneut in die Vollständigkeit zu gelangen. Viele versuchen dieses heil-sein zu erreichen, in dem sie davon träumen, den richtigen Partner zu finden. Sie denken, wenn sie erst den Traum-Partner an ihrer Seite haben, wird alles gut sein.
Das ist jedoch ein - weit verbreiteter - Irrtum. Natürlich ist es schön, einen Partner zu haben, der einen ergänzt und bereichert; dagegen ist nichts zu sagen. Der tiefere Sinn jedoch von Partnerschaft ist nicht, einfach nur leichter durch's Leben zu kommen und angenehmer die Zeit verbringen zu können, sondern sich selbst bewusst weiterzuentwickeln. Die Geschichte von den halbierten Menschen kann man analog zur biblischen Erzählung von der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies lesen. Der Garten Eden ist kein Ort, sondern ein Zustand des menschlichen Bewusstseins, der auch Erleuchtung genannt wird. Wenn wir erkennen, dass es kein Gut und Böse gibt, sondern nur ein Alles-das-ist, sind wir ein gutes Stück auf dem Weg zum Paradies vorangekommen.
Es ist alles in uns. Wir sind nie vertrieben worden und schon gar nicht als göttliche Strafe für etwas, das wir getan oder nicht getan hätten. Der Verlust der Unschuld ist einfach die Konsequenz, wenn der Mensch in sein beschränktes Bewusstsein eintritt. Wir orientieren uns durch unsere Vorstellungen von Richtig und Falsch in dieser Welt und das ist in Ordnung. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass diese Einteilungen hausgemacht sind und keineswegs durch göttliche Legitimation oder ähnliches entstanden sind. Wir haben sie uns selbst gegeben und können sie daher auch jederzeit verändern, ohne dass uns der strafende Blitz trifft oder der Himmel auf den Kopf fällt.
Wir Menschen sind also tatsächlich keine halben Kugeln, sondern in Wirklichkeit immer noch schön rund und vollständig. Entwickeln wir unsere Partnerfähigkeit, dann können wir das wieder entdecken und auf diesem Wege - durch die Begegnung mit anderen Menschen - unsere Vollständigkeit wiedererlangen. Wir bringen uns so selbst ins Gleichgewicht, denn eine Kugel befindet sich immer in ihm - solange sie nicht auf die schiefe Bahn des Urteilens gerät.
Das siebte astrologische Thema im Überblick:
Baustein: |
Siebtes Thema: |
Erläuterung: |
Tierkreiszeichen |
Waage |
Begegnungsfähigkeit, Partnerfähigkeit, Auswahlprozess, Geschmacksfindung, Sinn für Ästhetik und Harmonie, Friedensfähigkeit, Finden der eigenen geistigen Inhalte |
Quadrant |
III |
Das Du / Mentale Inhalte |
Polarität |
|
überwiegend von außen nach innen, introvertiert, aufnehmend und nutzend |
Element |
Luft |
Mentale Ebene |
Qualität |
kardinal |
auf das Hier und Jetzt ausgerichtet |
Planet |
|
Partnerschaft, Begegnung, Erotik, Ästhetik, Liebe, Harmonie, Balance, Entscheidungsfindung |
Haus |
7 |
Begegnung mit dem Außen, Ideenfindung |
Körperliche Ebene |
|
Aufrechterhaltung des körperlichen Gleichgewichts (Homöostase)
|
Stichworte und Entsprechungen:
Partnerfähigkeit, Begegnung, Partnerschaft, Harmonie, Frieden, Liebe, Erotik, Gleichgewicht, Auswahlprozess, Entscheidungsfindung, Strategie & Taktik, die Mitte finden, Ausgleich, Balance, Finden eigener mentaler Inhalte, mentaler Austausch, Geschmack, uvm.
© ToPAS München 2007
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