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Wenn Sie sich für Astrologie, akribisch geplante Vergeltung und Geschichten begeistern können, die man nicht mehr aus der Hand legen will, dann sind Sie hier richtig:

 

Kriminalroman: Der 237. Grad (mehr)

 

Als Taschenbuch im Buchhandel (9,90 EUR. 276 Seiten. ISBN: 978-3-9812445-3-3) oder als e-Book (5,90 EUR über Amazon)

Beruf und Berufung

 

Bei Priestern und Künstlern werden wir annehmen, dass Beruf und Berufung zusammenfallen. Aber wie ist das beim Rest der Menschheit? Vermuten wir bei einem Profiradfahrer auch, dass er einem Ruf gefolgt ist? Vielleicht. Bei einem Kaufmann? Einer Sekretärin? Beim Obstmann an der Ecke?

 

Hilfe aus dem Ausland

 

Bevor wir uns diesen Fragen auf astrologischem Weg nähern, werfen wir zunächst einen Blick auf die Begriffe selbst. Nur im Deutschen liegt der Beruf und die Berufung sprachlich so nah bei einander - was wohl auf Martin Luther zurückgeht. Das mag ein Hinweis darauf sein, dass wir Deutschen dazu neigen, den Beruf in seiner Bedeutung zu ernst zu nehmen. Im Englischen z.B. heißt die Berufung calling und der Beruf profession. In anderen Sprachen verhält es sich ähnlich. Diese sprachliche Distanz bei anderen kann auch uns deutschen Muttersprachlern helfen, die Sache gelassener zu sehen.

 

Eine Berufung setzt einen Rufer voraus. Wer ruft den Professor auf einen Lehrstuhl? Die Universität. Wer beruft einen angesehenen Bürger in ein städtisches Ehrenamt? Die Gemeinde. Wer aber ruft den Künstler? Oder den Priester? Bei letzterem liegt der Verdacht nahe, dass es Gott selbst ist. Als wir danach während einer schamanischen Reise fragten, bekamen wir lakonisch zu hören:"Ihr könnt Euch nur selber rufen!"

 

Astrologisch finden wir den Beruf im zehnten Thema wieder, das durch das Tierkreiszeichen Steinbock, Saturn und Haus 10 repräsentiert wird. Mit letzterem beginnt der vierte Quadrant, dem wir inhaltlich das Bewusstsein und die Gesellschaft zuordnen.

Dem Steinbock gegenüber findet sich das Tierkreiszeichen Krebs, das unsere seelische Identität symbolisiert. Hier sind auch die Gefühle zu Hause, derer sich unsere Seele bedient, um mit uns zu sprechen. Fühle ich mich mit etwas wohl, dann schwinge ich seelisch in Resonanz mit diesem Ding, Menschen oder Situation. Es ist wie mit zwei Gitarrenseiten, die gleich gestimmt sind. Schlägt man die eine an, beginnt die andere mitzuschwingen, als wollte sie sagen: Ich höre deinen Ruf, ich bin wie du! Unsere Gefühle weisen uns, so verstanden, den Weg zu unserer seelischen Identität. Sie geben uns Antwort auf die Frage: Wer bin ich im Inneren?

 

Wem gegenüber sind wir verantwortlich?

 

Wenn wir Kontakt mit diesem Inneren aufnehmen, wenn wir mit uns selbst ins Gespräch kommen, erkennen wir mehr und mehr, wer wir wirklich sind. Wir werden uns unserer privaten, seelischen Identität bewusst. Beschließen wir jetzt, ein von Wahrhaftigkeit bestimmtes Leben zu führen, können wir gar nicht anders, als im Feld gegenüber eine angemessene Reaktion zu zeigen. Wir ergreifen in diesem Fall einen Beruf, der uns entspricht - was immer wir auch konkret tun. Ob eine ausgeübte berufliche Tätigkeit nur Job oder Berufung ist, zeigt sich nicht in der Sache selbst. Das einzige Kriterium ist unsere Haltung, die wir dabei zeigen.

 

Das Thema Verantwortung, das Astrologen mit Steinbock/Saturn/Haus 10 verbinden, zeigt sich so in einem anderen Licht. Natürlich können wir glauben, wir führten ein verantwortungsbewusstes Leben, wenn wir für alle möglichen Dinge die Verantwortung übernehmen: den Ehepartner, die Kinder, die Firma, die Gesellschaft, den Staat etc. Die Antwort, die wir jedoch uns schuldig sind, ist die, die wir unserer Seele geben. Ver-ANTWORT-wortlichkeit bedeutet in diesem Sinne, ein Leben gemäß des eigenen Wesens zu führen.

 

In der Wirtschaftstheorie geht man davon von jeher aus: Der Mensch, mit dem Ökonomen gedanklich arbeiten, ist der homo öconomicus. Dieses Wesen will vor allem eines: seinen Nutzen maximieren. Was kann uns aber mehr Nutzen einbringen, als uns selbst gemäß zu leben? Hermann Hesse hat gesagt:

 

"Die wahre Berufung des Menschen ist es, zu sich selbst zu kommen."

 

Private und öffentliche Identität

 

Für viele ist dies bestimmt ein wahrhaft umstürzlerischer Gedanke. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder tut, was ihm gefällt? Bricht dann nicht alles zusammen? Tatsächlich würde sich vieles ändern, wenn wir alle zuerst nach Innen schauen würden, bevor wir im Außen etwas unternehmen. Zum Krebs gehört auch die Natur. Un-NATÜR-liche Unternehmungen, wie wir sie heute überall finden, kämen dann nicht mehr vor. Wir wirtschaften immer noch so, als wenn wir Menschen nicht Teil des natürlichen Kreislaufs dieses Planeten wären. Das ist Ausdruck unserer mangelnden Nähe zu uns selbst. Die Folgen dieses Irrtums kriegen wir mehr und mehr zu spüren.

 

Was wir ernten, ist die Konsequenz unserer Prioritäten beim Säen: Was machen die anderen? Was ist allgemein üblich? Wie kriege ich die Anerkennung der Gesellschaft?

Private und berufliche Identität nicht künstlich zu trennen, sondern sich auch im öffentlichen Rahmen so zu zeigen, wie man ist, setzt natürlich die Überwindung von Ängsten voraus: Nicht gut genug zu sein, ausgelacht und abseits gestellt zu werden.

 

Das Heilmittel für diese Verzagtheit ist die Liebe zu uns selbst. Wenn wir uns Schritt für Schritt annehmen lernen, steht idealerweise nichts mehr dagegen, auch die Gemeinschaft an unserem wahren Wesen teilhaben zu lassen. Akzeptanz unserer selbst ist ein Geschenk, das wir uns selbst und anderen machen, die wir dann auch so sein lassen können, wie sie sind. Ist das erst einmal so, ist alles Tun wahrhaftig und jeder Beruf Berufung geworden.

(Wir freuen uns über Ihre Anmerkungen zu diesem Beitrag in unserem Gästebuch!)

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