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Wenn Sie sich für Astrologie, akribisch geplante Vergeltung und Geschichten begeistern können, die man nicht mehr aus der Hand legen will, dann sind Sie hier richtig:

 

Kriminalroman: Der 237. Grad (mehr)

 

Als Taschenbuch im Buchhandel (9,90 EUR. 276 Seiten. ISBN: 978-3-9812445-3-3) oder als e-Book (5,90 EUR über Amazon)

Erwachsen werden aus astrologischer Sicht

 

Was es genau heißt, erwachsen zu werden, darüber gehen die Meinungen sehr auseinander. Wenn wir unseren achtzehnten Geburtstag feiern, sind die meisten von uns felsenfest überzeugt: Jetzt bin ich erwachsen! Dass das meist nicht stimmt, macht die Sache nicht klarer. Was meint nun die Astrologie dazu? Gibt sie uns Hinweise, die uns helfen können, das Thema besser zu verstehen? Was macht uns aus der Perspektive des Tierkreises zu einem erwachsenen Menschen?

 

Das zentrale Thema, das uns die Astrologie hier anbietet, ist Steinbock/Saturn. Ein erwachsener Mensch ist ein erwachter, bewusster Mensch. Erwacht ist er aus dem Schlaf desjenigen, der alles so macht wie die anderen - weil alle anderen es ebenso tun. Das Leben dieses Menschen ist nicht seines, sondern das der anderen, von ihm als deren Stellvertreter gelebt. Im Grunde ist er gar nicht da.

 

Dieser Mensch kann nach außen alle Attribute um sich versammelt haben, die landläufig mit Erwachsensein verbunden werden: Beruf, Familie, Auto, Haus, etc. Aber es wird der Beruf sein, den andere für ihn ausgesucht haben. Er erzieht seine Kinder, wie Kinder in seiner Sippe schon immer erzogen wurden. Er fährt das Auto und besitzt das Haus, von dem er glaubt, die anderen erwarten das vom ihm.

 

Leider sind solche Menschen eher die Regel als die Ausnahme. Es mag in vielen verschiedenen Schattierungen daherkommen, die es nicht leicht machen, das Gemeinsame zu erkennen. Dennoch ist es vorhanden. Es ist die Abwesenheit des eigenen Wesens - meist ohne es zu merken. Wenn wir ein solches Leben wählen, dann wählen wir vor allem eines: Sicherheit in Form von Normalität.

 

Wer mir nachfolgen will, der muss Vater und Mutter verlassen. Dieser Satz, den wir im neuen Testament finden, drückt aus, was wir tun müssen, wenn wir unser Potential ausschöpfen wollen, wenn wir unsere eigene Freiheit leben wollen. Die Eltern stehen dabei für alle, die Regeln aufstellen, d.h. jede Form von äußerer Autorität, alle denkbaren Repräsentanten der Gesellschaft. Der Richter, der Polizist, der Gesetzgeber, der Lehrer, der Vater und viele mehr. Sie alle müssen wir verlassen, wenn wir erwachsen werden wollen, d.h. sie alle müssen wir in Frage stellen und das, was sie behaupten und vertreten.

 

Erwachsenwerden ist so gesehen ein geistiger Vorgang, ein Prozess der Bewusstwerdung. Das, was wir glauben, steuert uns, bestimmt unsere Handlungen, erwirkt das, was in unserem Leben ist. Glaubenssätze sind das Fundament unseres Seins. Wenn wir also unser Sein selbstbestimmt gestalten wollen, müssen wir erst identifizieren, wo sind die anderen in mir? Dann erst, wenn wir erkannt haben, wo der Vater und die Mutter, der Lehrer und der Pfarrer in einem selbst sind, kann man sie in sich in Frage stellen.

 

Ist dieser Schritt getan, kann man die entscheidende Frage stellen: Will ich das so? Ist mir das so gemäß, wie mein Vater das für sich entschieden hat? Wie der Lehrer es mir beigebracht hat? Wie der Pfarrer behauptet, dass es sein muss? Ist mir das alles dienlich?

 

Um die letzte Frage zu beantworten, müssen wir uns erst über unser Ziel klar werden. Wo will ich hin? Wer will ich sein? Was ist die bestmögliche Version meiner selbst? Wenn ich ein ehrlicher Mensch sein will, wird mir der von meiner Mutter übernommene Glaubenssatz, dass ehrlich am längsten währt, dienlich sein. Will ich ein Bandit werden, wird er mich tendenziell in meiner Berufsausübung behindern.

 

Was ist aber in einem solchen Fall zu tun? Wenn ich merke, dass verinnerlichte Regeln mich behindern, das zu sein, was ich mich entschlossen habe zu sein? Dann kommt es zu einem Loyalitätskonflikt, denn man kann nur einem Herrn dienen. Aber welchem? Bleibe ich meinen Eltern treu oder mir selbst? Folge ich dem Lehrer oder meinen eigenen Überzeugungen? Will ich es machen wir der Pfarrer oder wie es mir meine innere Stimme gebietet?

 

Der Prozess des Erwachsen werdens erfolgt daher in 6 Schritten:

  1. Sich über seine Ziele klar werden. Wo will ich hin? Wer will ich sein? Was ist die Version meiner selbst, die ich zu verwirklichen mich entscheide?
  2. Die anderen in sich identifizieren. Die Mutter, den Vater, den Lehrer, den Pfarrer, usw. Was glauben die anderen? Was lehren sie? Was davon ist in mir?
  3. Abgleichen: Dienen mir die Glaubenssätze, die in mir sind, beim Erreichen meines Ziels. Werde ich durch das, was ich glaube, zu dem, was ich zu sein mich entschieden habe?
  4. Wenn ja: Prima. Alles kann so bleiben, wie es ist - mit dem Unterschied, dass ich von den Glaubenssätzen der anderen bewusst Besitz ergriffen habe, weil ich jetzt weiß, dass sie mir dienen. Ich befolge die entsprechenden Regeln jetzt nicht mehr, weil sich das so gehört, sondern weil ich selbst das so will.
  5. Wenn nein, dann gilt es diese Frage zu beantworten: Wem gilt meine Loyalität? Will ich richtig sein im Sinne der anderen oder in meinem eigenen Sinne? Welchem Weg will ich folgen: meinem oder dem meiner Eltern bzw. der gesellschaftlichen Autoritäten?
  6. Entscheide ich mich für mich, bin ich jetzt gefordert, die alten Überzeugungen in mir zu tilgen und dafür neue einzusetzen. Aber was dient mir? Welcher Glaubenssatz fördert mich?

Die letzten Punkte erklären auch, warum nur wenige dieses Programm tatsächlich durchlaufen: Es ist anstrengend. und fordernd. Viel leichter ist es, alles wir die anderen zu machen - mit leichten Nuancen, durch die wir uns dann einbilden können, wir wären echte Individualisten! Normal zu sein ist sicher. Den eigenen Weg zu suchen, kostet Kraft und birgt die Gefahr in sich, von der Gemeinschaft abgelehnt zu werden. Jesus, der den weiter oben zitierten Satz gesagt hat, wurde gekreuzigt. Denn er war eine Gefahr für das Etablierte, das Normale, das allgemein Anerkannte. Wie erwachsen in diesem Sinne wollen wir sein?

 

Das ist die Frage, auf die wir uns eine Antwort schuldig sind.

(Wir freuen uns über Ihre Anmerkungen zu diesem Beitrag in unserem Gästebuch!)

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